Wabi-Kusa: Ein Einsteigerleitfaden

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Bei einem Wabi-Kusa handelt es sich im ursprünglichen Sinne um ein Trademarkprodukt der japanischen Firma Aqua Design Amano (ADA). Mittlerweile wird der Begriff jedoch nicht ausschließlich für das Originalprodukt aus Japan verwendet, sondern beschreibt auch andere Formen der emersen Gestaltung von Wasserpflanzen.

Original Wabi-Kusa von ADA (Quelle: adana.co.jp)

Original Wabi-Kusa von ADA (Quelle: adana.co.jp)

ADA hat die Idee seiner Naturaquarien in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt und mit der Einführung der Wabi-Kusa Produktlinie einen weiteren Meilenstein gesetzt. Mit den bepflanzten Substratbällen ist es möglich, sehr naturnahe und beeindruckende Arrangements zu schaffen, die auch von Anfängern und Laien gestaltet und gepflegt werden können.

Grundsätzlich lassen sich zwei grundlegend verschiedene Stilrichtungen unterscheiden. Zum einen gibt es die Japanischen Originale (oder deren Abwandlungen und Nachahmungen), die aus einem auf Moos (oder Soil) basierenden Substratball bestehen der mit den unterschiedlichsten Wasserpflanzen bepflanzt werden kann und so sehr vielseitig einsetzbar ist. Die Wabi-Kusa Bälle können in kleine Pflanzgläser oder Aquarien gelegt und nur teilweise mit Wasser bedeckt werden, damit sich die Pflanzen in ihrer emersen Form entwickeln können.
Sie können aber auch wie HIER oder HIER unter Wasser für die Gestaltung herkömmlicher Aquascapes verwendet werden, da sie auf Grund ihres Gewichts zu Boden sinken. Das bereits gut entwickelte Wurzelsystem und die sich im Substrat des Wabi-Kusa angesiedelten Bakterien haben einen sehr positiven Einfluss auf die Einlaufphase des Aquariums.
 
In Europa haben sich zudem andere Formen entwickelt, die meist auch als Wabi-Kusa bezeichnet werden, im engeren Sinne jedoch eine Abwandlung des „klassischen“ Aquascaping darstellen. Diese Stilrichtung zeichnet sich durch eine sehr penible Layoutplanung aus und setzt weniger auf die willkürliche Anordnung und Entwicklung der Pflanzen wie es im ursprünglichen Sinne der Wabi-Kusa Idee der Fall war. Folgendes Beispiel zeigt, was für geniale Ergebnisse sich auch mit dieser Stilrichtung erzielen lassen.
 
Wabi-Kusa im europäischen Stil (Quelle: aquath.blogspot.de)

Wabi-Kusa im europäischen Stil (Quelle: aquath.blogspot.de)

Beim Anblick eines Wabi-Kusa, insbesondere der japanischen Form, lassen sich einige Parallelen zu anderen botanischen Kunstströmungen erkennen. Die seit einigen Jahren recht beliebten Kokedamas etwa sind ebenfalls eine relativ neue Form der kunstvollen Präsentation von aller Art Pflanzen. Hierbei handelt es sich jedoch ausschließlich um nicht aquatische, also terrestrische Pflanzen wie z.B. handelsübliche Zimmerpflanzen. Den Ursprung der Kokedama findet man wohl in der japanischen Bonsaikunst (Wikipedia-Artikel zum Thema Kokedama und Shitakusa), an der sich augenscheinlich auch die Wabi-Kusa Lehre orientiert hat.

Japanischer Bonsai (Quelle: Bonsai at the “Foire du Valais” [Martigny, Switzerland, oct 2005] by Dake)

Japanischer Bonsai (Quelle: Bonsai at the “Foire du Valais” [Martigny, Switzerland, oct 2005] by Dake)

Schöne „neue“ Welt

In ihren natürlichen Habitaten kommt eine Vielzahl der geläufigsten Aquarienpflanzen auch oder fast ausschließlich in ihrer emersen, über dem Wasser wachsenden, Form vor. Dies machen sich die großen Wasserpflanzengärtnereien wie Tropica oder Dennerle seit Jahrzehnten zu Eigen, indem Sie ihre Pflanzen in Gewächshäusern mit hoher Luftfeuchte über dem Wasser ziehen. Das ist gängige Praxis. Diese Tatsache zeigt, dass das emerse Kultivieren einige Vorteile gegenüber der submersen Aufzucht haben muss. Zum einen gestaltet sich die Lichtausbeute erheblich günstiger da der Streuung und Reflektion von Licht an der Wasseroberfläche bzw. den in der Wassersäule vorhandenen Partikeln aus dem Weg gegangen wird. Auf der anderen Seite kann der für das Wachstum der Pflanzen essentielle Kohlenstoff in Form von CO2 leichter aufgenommen werden. Die Pflanzen sind in ihrer emersen Form auch wesentlich robuster und lassen sich leichter transportieren.
Viele Wasserpflanzen zeigen in ihrer emersen Form ein sehr differenziertes Erscheinungsbild, vergleicht man sie mit dem Wuchs unter Wasser. Verschiedene Wasserfreund-Arten wie Hygrophila difformis und H. corymbosa etwa sind über Wasser kaum wiederzuerkennen. Pogostemon erectus oder Staurogyne repens sind ausschließlich emers in der Lage ihre wunderschönen Blüten auszubilden. Es gibt aber auch Ausnahmen. So sind etwa Vallisnerien „echte“ Wasserpflanzen und nur unter Wasser lebensfähig.
 

Dieser Weg, wird kein leichter sein!

Den Vorteilen stehen jedoch auch Hindernisse gegenüber die zu Beginn ein wenig Fingerspitzengefühl verlangen. Nicht selten missglücken Wabi-Kusa-Neulingen ihre ersten Versuche, da Sie grundlegende Regeln missachtet haben.
In der submersen Form können Pflanzen ihre benötigten Nährstoffe sowohl über die Wurzeln, als auch über die Wassersäule durch die Blätter aufnehmen, wobei die Präferenzen von der jeweiligen Art abhängig sind. Einige Pflanzen sind in einem erheblichen Maß auf die Zufuhr bestimmter Nährstoffe über das Blattwerk angewiesen. Wachsen Wasserpflanzen nun in ihrer emersen Form über der Wasseroberfläche, sind sie vermehrt auf die Nährstoffzufuhr über das Wurzelsystem angewiesen. Ein starkes Wurzelsystem ist daher sehr wichtig für die erfolgreiche emerse Kultur von Wasserpflanzen als Wabi-Kusa oder in vergleichbaren Layouts über Wasser. Gerade am Anfang ist ein Wabi-Kusa Setup daher auf die Zufuhr von Nährstoffen über das tägliche Besprühen mit einem reichhaltigen Volldünger angewiesen. Später wird es den Pflanzen zunehmend leichter fallen, Nährstoffe über die nun ausgebildeten Wurzeln aufzunehmen. Zwar trifft dies im engeren Sinne nur auf die japanischen Wabi-Kusa zu, bei denen die Pflanzen willkürlich aufgebunden werden und nicht in das Substrat gesteckt werden, trotzdem kann es auch bei „klassisch“ bepflanzten Wabi-Kusa Setups im europäischen Stil manchmal ratsam sein, die Blätter mit einer NPK-Nährstofflösung zu besprühen um optimale Ergebnisse zu erzielen. Hier ist Experimentierfreudigkeit angesagt! Ein positiver Nebeneffekt eines üppigen Wurzelsystems ist die Fähigkeit dem Wasser Nähr- und Schadstoffe zu entziehen um so einem übermäßigen Algenwachstum vorzubeugen und ein fisch- und garnelenfreundliches Klima zu schaffen. Auch die sich über die ersten Wochen organisierenden Bakteriengemeinschaften im Substrat tragen enorm zur Reinigungsfunktion eines „reifen“ Wabi-Kusa bei. Kleinere emerse Wabi-Kusa Setups in Nano-Aquarien, wie sie in Japan recht beliebt sind und dort sehr gern durch scheinbar „schwebende“ Wabi-Kusa umgesetzt werden, benötigen daher oft keinen zusätzlichen Filter, was die minimalistische Ästhetik des Wabi-Kusa noch weiter unterstreicht. An dieser Stelle zur Veranschaulichung ein Verweis auf solch ein Setup: Wabi-Kusa Aquascape. Man beachte das ausgeprägte Wurzelwerk!
 
Dichtes Wurzelwerk eines Wabi-Kusa

Dichtes Wurzelwerk eines Wabi-Kusa

Wie bereits angedeutet, sind die im Handel angebotenen Aquarienpflanzen entweder emers bei sehr hohen Luftfeuchten oder submers gezogen worden. Möchtest du diese für die Gestaltung eines Wabi-Kusa verwenden, musst du darauf achten, dass der Stress der durch die Umstellung auf die Luftfeuchte in deiner Wohnung für die Pflanzen entsteht, möglichst gering gehalten wird. Wasserpflanzen benötigen eine gewisse Zeit um durch hormonelle Prozesse ihre Zellstrukturen an die neuen Bedingungen anzupassen und sich so vor dem Austrocknen zu schützen. Frisch eingerichtete Wabi-Kusa sollten daher für mindestens 3 bis 4 Wochen mit einer Glasscheibe oder Klarsichtfolie abgedeckt werden. Danach können die Wabi-Kusa langsam an die Zimmerluftfeuchte herangeführt werden, indem die Abdeckung sukzessive entfernt wird oder täglich ausgiebig gelüftet wird. Ohnehin sollte in den ersten Wochen wenn möglich täglich für ein paar Minuten belüftet werden, um der Schimmelbildung vorzubeugen und ein CO2-Defizit zu verhindern. Auch das antiseptisch wirkende Torfmoos (Sphagnum) kann, wenn es als Substratmaterial verwendet wird, das Risiko für Schimmel minimieren. Lasst euch in den ersten Wochen nicht von den eventuell auftretenden modrigen oder leicht fauligen Gerüchen eurer bepflanzten Substratbälle abschrecken! Das ist völlig normal und hat seinen Ursprung in den Umsetzungsprozessen der Mikroflora. Sobald die Bakteriengemeinschaft im Substrat sich organisiert hat, verschwinden die Gerüche wieder.

Neben einer reichhaltigen Nährstoffzufuhr ist es sehr wichtig für ausreichend Licht zu sorgen. Die Pflanze nutzt die Energie der Sonnenstrahlung (oder einer künstlichen Lichtquelle) und kann so unter Verbrauch von CO2 Biomasse aufbauen und wachsen. Ohne eine geeignete Lichtquelle kann sich also auch das Wabi-Kusa nicht zufriedenstellend entwickeln. Oft genügt es, das Wabi-Kusa an einen sonnigen Platz in der Wohnung zu stellen. Auch künstliche Lichtquellen sind möglich und erzielen oft sogar bessere Ergebnisse.
 

Unterm Strich

Fassen wir kurz zusammen. Folgende Randbedingungen müssen bei der Gestaltung und Pflege von Wabi-Kusa beachtet werden:

  • Besonders zu Beginn sollten Nährstoffe über das Blattwerk durch tägliches Besprühen mit einem Volldünger (z.B. Do!aqua be bright) zugeführt werden, da das Wurzelsystem noch nicht voll ausgebildet ist. Haben sich die Wurzeln nach einigen Wochen zufriedenstellend entwickelt, sind die Pflanzen auch vermehrt in der Lage Nährstoffe über das Wurzelsystem aufzunehmen.
  • Das Abdecken deines frisch eingerichteten Wabi-Kusa für mindestens 3-4 Wochen wird den Pflanzen helfen sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Am besten eignet sich Klarsichtfolie oder eine Glasscheibe. Die Abdeckung kann dann Stück für Stück über einen Zeitraum von mindestens einer Woche entfernt werden. Im Sommer könnt ihr für die Umstellung auch ein Gewächshaus im Freien nutzen.
  • Eine ausreichende Versorgung mit Licht sollte sichergestellt werden. Das Wabi-Kusa sollte an einem sonnigen Ort aufgestellt werden. Eine Fensterbank an einem Südfenster ist hierfür ideal. Um das Wachstum weiter zu verbessern und die Pflanzen zum Blühen zu überreden, empfiehlt sich eine künstliche Lichtquelle (z.B. die ADA AQUASKY High Type oder die Do!aqua Branch).
Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Pflege eines Wabi-Kusa sich in der Regel wesentlich einfacher gestaltet als dies bei herkömmlichen Aquascapes und Pflanzenaquarien der Fall ist. Der Pflanzenwuchs ist vielfach robuster als dies unter Wasser der Fall wäre. Auch Algen werden in einem Pflanzenglas nur selten zu einem echten Problem. Zudem ist die Reinigung eines Pflanzenglases oder eines kleinformatigen Aquariums um einiges unkomplizierter im Vergleich zu einem großen Naturaquarium. Sind die ersten kritischen Wochen überstanden und haben sich die Pflanzen akklimatisiert, kann bei geeigneten Lichtverhältnissen und einer reichhaltigen Düngung wenig schief gehen.
 
Ich wünsche euch viel Erfolg und Freude mit eurem nächsten Wabi-Kusa!
– emersum.de / Marvin Gruhn

 

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