Parosphromenus – Haltung in einem Naturaquarium?

Juwelen des Urwaldes – Ein Erfahrungsbericht

Eher durch Zufall als durch Absicht bin ich auf mein erstes Paar Prachtguramis gestoßen. Was soll ich sagen, es war Liebe auf den ersten Blick.

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Hier war das Männchen mit seiner Balz erfolgreich und hat das Weibchen in seine Höhle gelockt.

Einführung

Eigentlich ist es ein idealer Fisch für kleine Scapes und Aquarien, 25 – 100 Liter sind völlig ausreichend. Er bezieht sein kleines Revier in Form einer Höhle, um die sich dann seine kleine Welt dreht.

Aber sie stellen ihre Ansprüche:

  • Eine geringe Wasserbewegung
  • Eine Temperatur von 24-27° Celsius
  • schwächeres Licht
  • PH-Werte unter 6
  • KH-Wert so gut wie nicht nachweisbar
  • kalkfreier Bodenbelag
  • Lebendfutter und
  • ihre kleinen Höhlen

um einige der wichtigsten Punkte zu nennen.

Die Herausforderung für mich war es, dies in einem Naturaquarium umzusetzen. Hierzu schaute ich mir ihre natürlichen Habitate an, welche leider durch Abholzung und Entwässerung immer mehr schwinden.

In ihrem natürlichen Lebensraum, den Schwarzwasser-Bächen, leben sie im Holz- oder Laubsubstrat auf dem Gewässergrund und besonders in den dicht verkrauteten Uferzonen.

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Auch die Weibchen zeigen ab und an ganz interessante Färbungen. Hier mit Sexy-Eyes.

Hardscapematerial

Hier wäre die Wahl eines Iwagumi-Layout sicher nicht die Richtige! Aber ein Aquascape, das all diese zuvor angemerkten Aspekte aufgreift, sollte funktionieren.

Als Hardscape Material eignen sich besonders gut Wurzeln, die auch gerne Huminsäuren an das Wasser abgeben. Lava oder nicht aufhärtendes Gestein sollte verwendet werden.

Bei der Planung sollte man kleine Ritzen und Spalten bei den Steinaufbauten einplanen, die als Unterschlupf dienen. Es ist schon erstaunlich, wie klein solch eine Höhle für sie sein kann.

Der Eingang auf Bild 1. ist ca. 1cm breit und ca. 2,5cm im Inneren.

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Fühlen sich die Paros wohl sieht man sie oft auch frei im Aquarium rum schwimmen.

Pflanzenwahl

Bei der Pflanzenwahl sollte man den niedrigen PH-Wert im Hinterkopf halten. Aber die meisten Aquarium Planzen kommen mit PH Werten zwischen 5-8 zurecht. Auch beim Härtegrad ist oft die Angabe sehr weich, bis hart zu lesen.

Generell bietet es sich an mit Stengelpflanzen im Hintergrund zu arbeiten. Es darf ruhig ab und an mal etwas mehr „zuwuchern“ (Siehe Bild 3. und 4.)

Oft sieht man dann die Kleinen froh durch die Pflanzen tollen.

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Tucanoichthys tucano als Vergesellschaftung.

Wasserbeschaffenheit

Das richtige Wasser: Hierzu verwende ich eine Umkehrosmoseanlage, Seemandelbaumblätter und Erlenzapfen sowie ADA Blackwater. Generell sollte man darauf achten, dass die Keimdichte recht niedrig gehalten wird. Vor allem zur Zucht ist dies unabdingbar. Wenn die Keimdichte hier zu hoch ist, haben Paroeier und Parolarven keine Chance. Hier teste ich gerade einen Twinstar S3 der zur Wasser Sterilisation eingesetzt wird. Um eine sanfte Oberflächenbewegung zu schaffen, eigen sich besonders die Bubble-Pipes.

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Sphaerichthys osphromenoides

Vergesellschaftung

Ein Artaquarium ist oft eine gute Wahl, doch gibt es auch einige Fische die sich problemlos mit den kleinen Paros halten lassen. Auch Paros und Paros sind miteinander zu vergesellschaften, hier sollte man nur darauf achten das sich beide Arten gut voneinander unterschieden lassen. Oft sehen sich die Paros im weiblichen Geschlecht sehr ähnlich. Ich pflege zur Zeit als Beifische Sphaerichthys – osphromenoides (Bild 5. )und vaillanti, Sundanio axelrodi, Hemirhamphodon tengah, Tcanoichthys tucano (Bild 4. ) und ein Paar kleiner Wildbettas. Auch die Amano Garnelen scheinen die Paros in keinster Weise zu stören. Die kleineren Schwarmfische vermitteln durch ihr furchtloses rum toben im Aquarium den etwas scheuen Paros etwas mehr an Sicherheit.

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Hier verspeisen ein Parosphromenus Nagyi Männchen ( unten ) und Weibchen ( oben ) genüsslich eine weiße Zuckmückenlarve.

 

Futter

Ich füttere ausschließlich nur Lebensfutter! Den Hauptteil decke ich über Artemianauplien ab. Zur Abwechslung gibt es Moina, Cyclops, schwarze und weiße Mückenlarven (Bild 6), Daphina und Artemia. Wichtig ist hier ruhig mal einen Tag Pause einzulegen.

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Balzendes Paro Männchen.

Vergesellschaftung

Hat man alles richtig gemacht, wird man bald den Tanz der Männchen beobachten können und sehen, warum sie den Namen „Juwelen des Urwaldes“ tragen. Nichts ist so schön wie der Zeitpunkt, zu dem ein Männchen sein Balzkleid anlegt und sich vor dem Weibchen in Stellung bringt (Bild 7). Oft sind hier die so genannten (Sexy-eyes) zu beobachten. Durch das Auge läuft dann ein vertikaler Augenbalken. Je nach Art geschieht dies mit Kopf nach unten, oben oder er präsentiert sich wagerecht. Ist die Wahl des Weibchen getroffen, folgt sie dem Männchen in die Höhle und es kommt zum abbleichen (Bild 1). Das Männchen übernimmt dann die Brutpflege der etwa 20 bis 60 Eier.

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Zwei Parosphromenus Nagyi Männchen in Drohfärbung.

Schlussbemerkung

Vielleicht konnte ich euch für die Haltung dieser tollen Tiere begeistern. Sicher ist dies kein Anfängerfisch und es sollte wohl bedacht sein, wenn ich man sich diese tollen Tiere anschafft. Vielleicht sucht ihr aber gerade die Herausforderung und wollt mit Teil haben diese tolle Art zu erhalten. Ob nun in einem klassischen Schwarzwasserartaquarium oder wie ich es versuche – in einem Naturaquarium. Es lohnt sich! Eine Internetseite, die sehr zum empfehlen ist, findet ihr hier im Anhang. Das Parosphromenus-Projekt was ein weltweites Netzwerk aus Parofreunden darstellt. Wer etwas schriftliches in den Händen halten will, dem kann ich nur das Buch Prachtguramis – Juwelen des Urwalds in der Natur und im Aquarium empfehlen, ein Muss für Einsteiger und hochinteressant für die, die sich schon mit Prachtguramis beschäftigen.

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Parosphromenus cf. bintan Männchen

 

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