Freude an der Haltung und Vermehrung von Parosphromenus

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Freude an der Haltung und Vermehrung von Parosphromenus

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Im vorliegenden Text konzentriere ich mich auf die Möglichkeit der Vergesellschaftung von Parosphromenus mit anderen Fischarten. Dabei ermöglichen kleine, passende Gesellschaftsfische eine reizvolle Erweiterung der „Paro-Aquaristik“, da sie nebenbei unsere Parosphromenus nach vorne locken und ein solchermaßen besetztes  Aquarium auch für den  Nicht-nur-Taschenlampenfisch-Spezialisten reizvoll wird. 

Denn – das erfahre ich immer wieder – allzu großer Respekt vor besonderen Ansprüchen und die Tatsache, dass man oft ein leeres Becken zu füttern scheint, halten viele erfahrene und sorgfältige Aquarianer davon ab, es einmal mit Prachtguramis zu versuchen. Die Probleme bei der Vergesellschaftung von Parosphromenus werden aber nach meiner Erfahrung überschätzt, sofern man die richtigen Beifische aussucht und es sich dabei wirklich um Bei-Fische handelt. Parosphromenus sollten also die Hauptfische des Aquariums sein, als Mitläufer gehen sie verloren. Prachtguramis sind so homogen in ihren Ansprüchen an Wasser, Fütterung und weiteren Rahmenbedingungen bei der Haltung, dass die Aussagen prinzipiell für alle Arten Gültigkeit haben.

Paarweise Haltung zu Vermehrungszwecken

Parobuch_schnitt_webNur der Vollständigkeit halber möchte ich die Hintergründe der üblicherweise paarweisen Haltung im Artbecken nennen. Diese Art der Prachtgurami-Pflege ist eine erprobte Vorgehensweise, die auf Reproduktion abzielt. Sie ist vielfach geprägt vom Arterhaltungsgedanken und dem Wunsch, diese oder jene Art zur Vermehrung zu bringen. Hierüber wurde schon viel geschrieben (ich verweise hier kurz auf das Parobuch) und die Zusammenhänge sind hinreichend bekannt. Allerdings haben viele Züchterfreunde inzwischen so große Bestände, dass sie nicht umhin kommen, Vergesellschaftungen auszuprobieren und auch beizubehalten. Die Aquarieneinrichtung unterscheidet sich in beiden Varianten nur unwesentlich. Unterschiede liegen neben der Besetzung in unterschiedlichen Anforderungen an Hygiene und Wasserwerte.

 

Paar- oder gruppenweise Haltung von Parosphromenus in passender Vergesellschaftung

Es gibt verschiedene Kombinationen, die meiner Erfahrung nach gut funktionieren, so z.B. die gemeinsame Haltung von Paros mit Borarasarten, Betta-Wildformen und/oder Schokoguramis. Zusammenstellungen mit anderen Schwarzwasserfischen können dagegen schwierig sein und manche gehen gar nicht. Denn neben den gleichen Ansprüchen an das Wassermilieu und die Fütterung müssen die Beifische einen geeigneten Charakter haben, d.h. sie dürfen weder zu hektisch, noch zu dominant sein, noch dazu neigen Paros zu jagen oder sie gar als Futter anzusehen.

Hier möchte ich ausdrücklich Werbung für eine Variante machen, die sich als fast narrensicher erwiesen hat: Die Vergesellschaftung von Paros mit kleinen Rasboren. Diese kleinen, lebhaften und wenig scheuen „Schwimmfische“ nehmen den Prachtguramis ihre sonst eigene Scheu und sorgen dafür, dass sie frei im Aquarium schwimmen und sich bei ihren reizvollen Geplänkeln und Balzspielen beobachten lassen. Nebenbei übernehmen diese Kleinfische ganz offensichtlich die Funktion des Gefahrenanzeigers. Erst wenn sie selbst hektische Fluchtreaktionen zeigen, verstecken sich auch die Paros. Prachtguramis fühlen sich in solcher Gesellschaft so sicher, dass sie nicht – wie bei der reinen Arthaltung – bei Bewegungen vor dem Aquarium sogleich abtauchen.

Ein Beispiel eines Gesellschaftsaquariums mit Prachtguramis

Nehmen wir z.B. ein kleines, handelsübliches Aquarium von 25 l Inhalt ( 40 x 25 x 25 cm ) oder noch besser eins mit 45 l mit den Maßen 50 x 30 x 30 cm.  Dieses kann mit einem oder zwei Paaren ( das größere mit 3 Paaren oder einer kleinen Gruppe ) Prachtguramis besetzt werden. Gut geeignet sind z.B. P. linkei, P. quindecim oder P. nagyi, diese phantastisch gefärbten Arten werden ja in der IGL immer wieder angeboten. Dazu setzen wir einen kleinen Schwarm von 5-10 Boraras brigattae, B. micros oder B. maculata, um nur die bekanntesten Boraras-Arten zu nennen.  Seit dem Nano-Trend gibt es im Handel etliche Formen und Arten bunter Minifische, alle sind geeignet, wenn sie friedlich sind und saures, torfiges Wasser mögen. Gefüttert wird mit Lebendfutter wie Artemianauplien, Mikrowürmchen oder Grindal, wenn wir nicht dazu neigen, zu überfüttern – denn diese Nährtiere sterben im Süßwasser bereits nach einigen Stunden ab und belasten das Wasser sehr, was für Parosphromenus gefährlich ist! Deshalb ist die Fütterung von Moina oder Tümpelfutter – für den, der es hat – sicherer. Garnelen oder ruhige Bodenfische wie Dornaugen können Putzertrupps bilden, verhindern aber die Vermehrung unserer Parosphromenus sehr sicher.

Man kann und sollte –  und das scheint mir wesentlich – bei der Gesellschaftshaltung, die nicht primär eine Vermehrung der Prachtguramis zum Ziel hat, noch an ein paar Parametern in Richtung Vereinfachung drehen. Durch ein sehr verdünntes, teefarbenes „Schwarzwasser“ mit einem mäßig sauren pH-Wert von etwa 6 und einer KH von 3 – 5° schaffen wir die Möglichkeit der erfolgreichen Haltung von dekorativen Wasserpflanzen. In solchem Wasser wachsen z.B. Cryptocorynen ( auch und besonders C. affinis), Javamoos, Javafarn, Kamerunfarn und feine Wasserschlaucharten. So können phantastisch schöne Aquarien mit reizvollem Besatz entstehen. Auch können bei diesen Wasserwerten geeignete Schnecken als „Staubsauger“ ( wichtig und nützlich zur Vertilgung von etwaigem Futterüberschuss) eingebracht werden, da sie mit dem nicht ganz so weichen Wasser klar kommen. Bei der Gestaltung dekorativer Aquarien ist weniger oft mehr, denn die Prachtguramis sollten kontrollierbar bleiben. Zu viele Versteckmöglichkeiten machen es schwer, ohne Zerstörung der Dekoration Fische herauszufangen. Deshalb gebe ich hier eine kleine Einrichtungsanleitung zu unserem Beispielaquarium mit Mengenangaben:

  • Handelsübliches Aquarium mit Maßen 50 x 30 x 30 mit passgenauer Abdeckung, gefüllt 25cm hoch.
  • Heizer nach Erfordernis, um das Wasser auf etwa 25°C zu halten. Beleuchtung normal (jedenfalls nicht stark)
  • Kleiner Blubberfilter mit Filterkammer, die wir mit Schwarztorfgranulat füllen können. Filter langsam laufend
  • Sehr dünne Lage (5mm) Bodengrund aus feinem Quarzsand, z. B. Spielplatzsand, dieser wird beim Wasserwechsel mit abgesaugt und gespült wieder zurückgegeben. Er kostet fast nichts, gibt keine Härte ab, erlaubt das Herausfangen von Fischen und verstopft nicht den Waschbecken-Siphon
  • Dekoration mittels „feingliedriger“ möglichst dreidimensional verästelter Moorkienwurzel, die auch die mittleren und oberen Zonen des Aquariums gliedert und Räume schafft, sonst „kriechen“ die Paros nur in Bodennähe herum und erschließen sich nicht den gesamten Schwimmraum
  • Begrünung mit Pflanzen der oben genannten Arten. Cryptocorynen pflanzen wir in niedrige Kunststoff- oder Tonschalen, die im Laub „versinken“. Die anderen Arten binden wir auf die Wurzel oder lassen sie fluten. Ggf. helfen Schwimmpflanzen wie Salvinia (die geht immer) beim Abschatten und Wasserpflege
  • Bodenauflage mit etwa 5 – 6 Blättern eines geeigneten Laubbaumes. Ich bevorzuge die spitzzahnigen Blätter der amerikanischen Eiche, sie halten besonders lang. Nach Auslaugen der Wurzel und der Filterfüllung (was durch die geringere Nachfärbung des Wassers offenbar wird), können wir ein Seemandelbaumblatt hinzugeben. Diese Blätter haben definitiv einen positiven Einfluss auf das Wassermilieu. (Mit Erlenzapfen hingegen habe ich auf Dauer keine positiven Erfahrungen gemacht)
  • Wenn feste Huminstoff-Träger (Blätter, Holz, usw.) das „Gammeln“ anfangen, müssen sie wieder raus aus dem Aquarium, sonst leiden bald die Prachtguramis. Zu starke Belastung des Wassers ist die Achillesferse der Parohaltung, im Gegensatz zu z. B. Kampffischen zeigen sie ihr „Leiden“ nicht an, sondern verabschieden sich ohne Vorankündigung. Ein Wasserwechsel von 30% alle 4 Wochen ist bei wirklich disziplinierter Fütterung ausreichend. (Ich wechsle allerdings bei Zuchtaquarien alle 14 Tage etwa 65% des Volumens.) Dies als Orientierung, in diesem Bereich sollte sich, in Abhängigkeit von der eigenen Fütterungsdisziplin, die Wasserpflege bewegen
  • Die Zielwerte des Wassers wurden oben schon genannt. Ein einfacher Weg der Herstellung ist Regen-, weiches Quell- oder Umkehrosmose-Wasser durch eine Torfkanone fließen zu lassen und entsprechend zu verschneiden.
  • Besatz, wie oben genannt. Damit Prachtguramis balzen und auch ablaichen können, sollten wir eine kleine Höhle aus Ton oder Kunststoff zentral in Bodennähe platzieren. Diese wird bald besetzt sein und ein kleiner, wenig scheuer, aber nun hektischer, knallbunter Kobold wird versuchen „Paro“-Weibchen anzulocken, während Rasboren ihre ruhigen Bahnen ziehen.

  Versucht es doch mal so! – Gastbeitrag von Martin Hallmann, Fotos © Martin Hallmann

 

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