Bauanleitung Unterschrank im ADA Stil

Bauanleitung Unterschrank im ADA Stil

Wenn wir Aquascaper etwas Schickes, Schlichtes für unten drunter haben wollen, dann ist das Stück der Begierde in den meisten Fällen ein Unterschrank im ADA Stil. Mittlerweile gibt es einige Bezugsquellen in Deutschland oder im nahen Ausland.

Aber selbst wenn man nicht grade das Original von ADA erwerben möchte, bekommt man einen Schrank mit dem Standardmaß von 60 x 30 x 70 cm in der Regel nicht unter 250€ inkl. Versand. Mir persönlich sind die Standardschränke mit einer Höhe von nur 70 cm immer etwas zu niedrig.

Aber spätestens, wenn man ein Aquarium mit einer individuellen Grundfläche abseits der gängigen Maße haben möchte, kommt man in der Regel um eine noch teurere Sonderanfertigung nicht herum.

Wer jetzt nicht grade einen Schreiner seinen besten Freund nennen darf, muss wahrscheinlich schon ganz schön tief in die Tasche greifen. Wieso also nicht einfach selber bauen? Das ist viel einfacher als man sich das im ersten Moment vorstellt und man kann mit dem richtigen Werkzeug, ein wenig Übung und etwas Geduld ein richtig hochwertiges Ergebnis erzielen.

Ich habe mittlerweile bereits vier Unterschränke selber gebaut und wollte mir nun für mein geplantes neues Aquarium mit den Maßen 60 x 45 x 36 cm einen neuen, den fünften, Unterschrank bauen. Die reinen Materialkosten – möchte ich schon mal vorwegnehmen – belaufen sich auf gerade mal rund 120€. Es ginge sogar noch günstiger, aber ich habe mit der Zeit gelernt, dass man besonders bei der Auswahl des Lacks und der Lackierwalzen nicht sparen sollte, sofern man später auch eine schöne möglichst glatte Oberfläche haben möchte.

Hier eine kurze Materialliste:

MDF Platten

  • 1x 560 x 170 x 16 mm (Einlegeboden)
  • 1x 598 x 627 x 16 mm (Türe)
  • 1x 600 x 170 x 19 mm (Frontblende)
  • 1x 562 x 762 x 19 mm (Rückenteil)
  • 2x 431 x 762 x 19 mm (Seitenteile)
  • 2x 600 x 431 x 19 mm (Boden und Deckel)

zusätzlich

  • Holzleim zur anfänglichen Fixierung
  • Holzschrauben zur Endfixierung
  • Spachtelmasse zum Verfüllen der Schraubenlöcher und Kanten
  • Topfscharniere
  • Türdämpfer
  • Regalbodenträger
  • Möbeluntersetzer, damit der Schrank nicht platt auf dem Boden steht.
  • Schleifpapier (Körnung 80, 120, 240)
  • Hochwertiger MDF Isoliergrund
  • Hochwertiger Acryllack in gewünschter Farbe
  • Hochwertige Lackierwalzen
  • Distanzplatten Kunststoff

Folgendes Werkzeug wird benötigt: Die Anschaffung ist hier natürlich nur einmalig und entsprechend nicht in den oben genannten Materialkosten mit eingerechnet:

  • Akkuschrauber
  • Bohrmaschine
  • ggf. Stichsäge, wenn keine runde oder halbrunde Schlauchdurchführung gewünscht ist.
  • Schleifmaschine, da man sich sonst von Hand einen Wolf schleift 
  • Grobe Holzfeile
  • Lochbohrer (60 mm) für Rückwand und 100 mm für Schlauchdurchführungen
  • Bohrschablone für Topfscharniere
  • Forstnerbohrer 35 mm für Topfschrnierbohrung
  • Spachtel zum Auftragen und Abziehen der Spachtelmasse
  • Bügelhalter für Lackierwalzen
  • Farbschale
  • Wasserwaage

Schritt 1 – Materialbeschaffung:

Wie oben schon geschrieben, hier bitte nicht am falschen Ende sparen. Gerade beim Lack auf einen hochwertigen, namhaften Acryllack setzen (ich nehme den mit der Katze… 😉 ) und gute Schaumstoffwalzen oder besser noch welche aus Velours.

Das MDF bekommt ihr wie alles andere am besten in einem gut sortierten Baumarkt. Der Zuschnitt vom MDF sollte auch möglichst millimetergenau erfolgen, da ihr dann später weniger zu spachteln und zu schleifen habt. Also nett sein zum Kollegen an der Säge! 😉

 Am besten messt ihr nochmal vor Ort. Mir ist es nämlich schon passiert, dass ich erst zu Hause festgestellt habe, dass der Kollege sich irgendwo um ein paar Millimeter verschnitten hat, und dann muss man halt dummerweise erneut los.

Schritt 2 – Anzeichnen und Löcher bohren

Ich zeichne mir gerne auf der Bodenplatte ein, wo die Seitenteile und das Rückenteil stehen. Das muss man aber nicht, ich persönlich habe es mir jedoch so angeeignet

Anschließend die Schlauchdurchführungen in den Seitenteilen bohren. Ich nehme hier immer einen 100 mm Lochbohrer und setze diesen schön vorsichtig und möglichst an der Brettkante an. Dann langsam und gefühlvoll, insbesondere zum Schluss, sodass hinten nix ausbricht.

Im Anschluss noch die Löcher in der Rückwand bearbeiten. Ich bohre hier in jede Ecke ein 60 mm Loch, damit ich – was Kabel und Schläuche angeht – möglichst flexibel bin.

Schritt 3 – Zusammenbau

Sobald alle nötigen Löcher gebohrt sind, geht’s ans simple Zusammenbauen. Ich verwende immer einen schnell trocknenden Holzleim zur anfänglichen Fixierung. So kann ich die einzelnen Bretter genau ausrichten, was gerade bei den Seitenteilen und der Rückwand wichtig ist, da diese natürlich gerade und exakt stehen müssen, damit später alles exakt aufeinanderpasst.

Wenn der Kollege an der Säge einen guten Tag hatte und ihr bis hierhin auch genau gearbeitet habt, dann sollte das wie folgt aussehen:

…und mal im Ganzen, noch ohne Deckel, dafür aber schon mal Probeliegen für den Einlegeboden.

Bevor ihr nun den Deckel aufsetzt, macht es Sinn, das Ganze 10-15 min. trocknen zu lassen und dann die Schlauch- und Kabeldurchführungen zunächst grob abzuschleifen. Wenn der Deckel erst einmal drauf ist, kommt man da nicht mehr so gut in die Ecken.

Jetzt werden der Deckel und die Frontblende noch verklebt und schwups (!) ist der Korpus auch schon fast fertig.

Wenn der Holzleim dann etwas angezogen ist (nach ca. 10-15 Min.) wird der gesamte Korpus mit Holzschrauben fixiert. Dabei müsst ihr die Schrauben unbedingt im Holz versenken, da man die Schrauben sonst später immer sehen würde.

Schritt 4 – Schleifen, Spachteln, Schleifen

Bis hierhin braucht es in der Regel nur 1-2 Stündchen. Der etwas aufwendigere Teil geht jetzt erst los.

Als erstes schleift ihr mit einem groben 80er Korn den gesamten Korpus und vor allem die Übergänge der Platten plan. Danach wird der Schleifstaub entfernt und alle tieferen Unebenheiten wie z.B. die Bohrlöcher mit Spachtelmasse verfüllt. Da die Spachtelmasse beim Trocknen etwas einfällt, muss man die Bohrlöcher nach zwei, drei Stunden ein weiteres Mal verfüllen und gegebenenfalls auch noch ein drittes Mal. Wichtig ist, dass nach dem Aushärten die Bohrlöcher komplett ausgefüllt sind.

Nachdem die Spachtelmasse über Nacht durchgetrocknet ist, schleift ihr den Schrank noch mal mit einem 80er Korn ab, bis alles schön sauber und glatt ist. Im Zweifelsfall weiter Male nacharbeiten und am nächsten Tag noch mal abschleifen. Je sauberer und genauer ihr hier arbeitet, desto schöner und gleichmäßiger sieht der Schrank nachher aus. Im besten Fall sind die Stellen, an denen die MDF Platten zusammenstoßen, später im fertigen Schrank dann nicht mehr zu erkennen, sodass das Ganze wie aus einem Guss aussieht.

Achso… Nicht vergessen: auch die Tür und den Einlegeboden zu schleifen. Hier sind vor allem die Kanten der MDF Platten wichtig. Wer übrigens auch auf die inneren Werte achtet, sollte den Schrank auch von innen abschleifen. 😉

Schritt 5 – Grundieren und Schleifen

Wenn alles schön verspachtelt und glattgeschliffen ist, wird der MDF Isoliergrund aufgetragen. Der schließt die Poren des Holzes und sorgt so dafür, dass der finale Acryllack später schön glatt und deckend aufgetragen werden kann.

Ich trage den Isoliergrund immer zweimal, nass in nass auf. Also einmal alles streichen (Tür und Einlegeboden nicht vergessen). Dann, wenn man damit durch ist, gleich noch eine zweite Runde hinten dranhängen. Das alles sollte dann 24 Stunden trocknen und anschließend mit einem 120er Korn wieder schön glatt geschliffen werden.

Schritt 6 – Topfscharniere montieren

Als nächstes montiert ihr die Topfscharniere. Das kann man, wenn man mag, aber schon machen, bevor man den Isoliergrund aufgetragen hat. Vor dem Bohren und Montieren der Topfscharniere hatte ich anfänglich den größten Respekt, aber mit einer speziellen, blauen Bohrschablone aus dem Baumarkt ist das kinderleicht. Viel falsch machen kann man da eigentlich nicht. Im Internet findet man dazu auch einige Videos, wie man das Teil verwendet. Einfach mal nach „Scharniermontage mit Bohrschablone“ googeln.

Etwas aufpassen muss man beim Bohren der Löcher für die Scharniertöpfe. Dafür nimmt man einen 35 mm Forstnerbohrer, passend zu den 35 mm Topfscharnieren. Da die Türe ja nur 16 mm stark ist, das Loch aber 12-14 mm tief sein muss, ist hier etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Lieber zum Ende hin Millimeter für Millimeter abtragen und immer mal mit dem Scharnier prüfen, ob das Loch schon tief genug ist. Ist man einmal zu weit und hat durchgebohrt, muss man sich nämlich dummerweise eine neue Türe kaufen gehen, schleifen, grundieren usw., was sich insgesamt nicht sehr förderlich auf die Grundstimmung auswirkt! 😉

Wenn ihr nun die Topfscharniere montiert habt, hängt ihr die Tür am besten mal ein und guckt ob alles passt. Achtet darauf, dass euer Schrank beim Einstellen 100% in der Waage steht, sonst lässt sich die Tür nicht vernünftig ausrichten.

Schritt 7 – Lackieren

Alles passt? Gut, dann geht’s jetzt ans Finish!

Wie schon oben geschrieben, empfehle ich grade hier auf hochwertigen Acryllack und gute Lackierwalzen zu setzen. Wer bis hierhin sauber gearbeitet, sich viel Mühe beim Spachteln und Schleifen gegeben hat und jetzt am Lack und den Walzen spart, der verschenkt hier die Möglichkeit auf eine wirklich spiegelglatte Oberfläche.

Also, nachdem ihr nun die Topfscharniere wieder ausgebaut habt, bringt ihr die erste Schicht Lack auf. Ich trage die erste Schicht immer etwas dünner auf, dafür aber gleich nass in nass noch eine zweite dünne Schicht wie beim Isoliergrund. Wichtig beim Lack ist, dass -wenn ihr eine Seite oder ein Teil fertig lackiert habt- ihr den Lack mit der Walze abschließend wiederholt in eine Richtung von oben nach unten sauber abzieht, damit keine Streifen entstehen. Direkt nach dem Lackieren, wenn der Lack noch nicht trocken ist, sieht die Oberfläche noch nicht ganz glatt aus, das kommt erst mit der Zeit wenn der Lack komplett aushärtet. Also nicht verzweifeln, wenn die Oberfläche noch nicht gleich nach dem Lackieren top aussieht. Das wird schon! Dann lasst ihr den Lack 24 Stunden komplett durchtrocknen. Fertig? Von wegen! Oder wofür haben wir noch das 240er Schleifpapier?

Für ein wirklich gutes Finish solltet ihr eine zweite Schicht Lack auftragen. Dazu den getrockneten Schrank wieder mit dem feinen 240er Korn gründlich schleifen. Anschließend solltet ihr besonderen Wert darauf legen, den Schrank wirklich staubfrei zu bekommen. Also am besten alle Oberflächen gründlich abfegen oder abblasen und hinterher mit einem handfeuchten Tuch abwaschen und trocknen.

Dann kommt die letzte Lackschicht. Auch hier wende ich wieder meine Nass-in-nass-Technik an. Ganz wichtig: Zum Schluss das Abziehen von oben nach unten nicht vergessen.

Schritt 8 – Tür montieren und aufstellen

Nachdem der Lack weitere 24 Stunden getrocknet ist, könnt ihr die Türe mit den Scharnieren wieder montieren. Anschließend empfiehlt es sich kleine vielleicht 0,5 – 1 cm hohe Möbelfüße der Möbelgleiter unter den Schrank zu montieren, damit dieser nicht platt auf dem Boden steht. Das sieht für meinen Geschmack nicht so gut aus und wenn mal Wasser am Schrank runterläuft, zieht das nicht gleich unter den Schrank.

Bevor ihr nun die Tür endgültig einstellt und euer Becken draufsteht, ist es wichtig den Schrank 100% waagerecht auszurichten. Dabei können kleine Distanzplatten helfen, die es in 1-5 mm Stärken als Set im Baumarkt zu kaufen gibt.

Viel Spaß und Gelingen beim Nachbauen!

Euer Sascha, Team weScape

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